05.06.2024

Im Turbo-Gang in eine Festanstellung

Sie ziehen gemeinsam an einem Strang (v. l. n. r.): Andreas Fricke (Arbeitsvermittler), Alona Ivasiuk und Iryna Yerina (beide Housekeeping) sowie Thomas Schulz (Geschäftsführer Hotel "Alte Direktionsvilla").

Seit 01. April 2024: Verbesserte Förderung für Qualifizierung von Beschäftigten

In den letzten zwei Jahren haben bereits über eine Million Menschen aus der Ukraine in Deutschland Schutz gefunden. Mit Hilfe des Job-Turbos arbeiten seit Kurzem drei aus der Ukraine geflüchtete Frauen im Hotel “Alte Direktionsvilla” in Kupfermühle. In diesem Zusammenhang ist das neue Qualifizierungschancengesetz für Unternehmen von Bedeutung, über das man Geringqualifizierte mit attraktiven Förderungen zu Fachkräften entwickeln kann. Auch Weiterbildungsbedarfe von Mitarbeitenden können über die sogenannte Beschäftigtenförderung bedient werden. Darüber hinaus erleichtern Job-Berufssprachkurse den Einstieg im Betrieb bei noch geringeren Deutschkenntnissen.

Bei Andreas Fricke, Arbeitsvermittler des gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und des Jobcenters, lief er offenen Türen ein. „Das waren attraktive Jobs für die Vermittlung von arbeitssuchenden Ukrainerinnen“, erinnert er sich. Durch den Job-Turbo des Jobcenters ging dann alles ganz schnell. Innerhalb von zwei Wochen konnten Alona Ivasiuk, Iryna Yerina und Olena Manzhali mit einem Betriebspraktikum starten.

„Ich brauche keine großartige schriftliche Bewerbung, mir kommt es auf den persönlichen Kontakt an“, erklärt Thomas Schulz den Turbo-Gang. „Mir ist es wichtig, dass meine Angestellten gut und gerne hier arbeiten. Die Sprachbarriere können wir leicht überwinden.“

Neben dem Industriemuseum Kupfermühle und den liebevoll restaurierten Arbeiterwohnhäusern prägt die heute als Hotel genutzte „Alte Direktionsvilla“ das Gebäudeensemble in Wassersleben. Aktuell stehen den Gästen hier 14 Zimmer in vier verschiedenen Kategorien zur Verfügung.

Thomas Schulz, Geschäftsführer des Hotels „Alte Direktionsvilla“, ist immer wieder auf der Suche nach Personal und erinnert sich lebhaft: „Als ich im Herbst letzten Jahres in der Presse las, dass in den Niederlanden bereits 70 bis 80 Prozent der nach Kriegsausbruch aus der Ukraine Geflüchteten in Lohn und Brot seien, wurde ich hellwach. So etwas müssen wir doch auch hier schaffen, dachte ich mir und griff zum Telefonhörer.“

„Ich brauche keine großartige schriftliche Bewerbung, mir kommt es auf den persönlichen Kontakt an.” Thomas Schulz | Geschäftsführer “Alte Direktionsvilla”

Die deutsche Sprache ist bei der Vermittlung von Geflüchteten immer wieder zentrales Thema und durchaus auch mal ein Knackpunkt. Thomas Schulz sieht das sehr gelassen: „Ich habe Glück, dass meine Angestellte Irene Weiß etwas Russisch spricht und daher manchmal dolmetschen kann. Olena Manzhali ist gelernte Restaurantfachfrau und spricht Englisch – sie legt übrigens heute ihre Deutschprüfung ab. Den Rest erledigt die Übersetzungsfunktion unserer Smartphones.“ Außerdem haben alle drei Ukrainerinnen einen Integrationskurs besucht und sprechen mittlerweile Deutsch auf B1-Niveau.

Iryna Yerina, Alona Ivasiuk, Andreas Fricke und Thomas Schulz brachten die Zusammenarbeit
schnell auf den Weg (v. l. n. r.).

„Bei der Arbeit lerne ich die neue Sprache schneller als in einem Sprachkurs.” Alona Ivasiuk | Housekeeperin im Hotel “Alte Direktionsvilla”

„Für mich war es schwierig, Deutsch zu sprechen, aber auf der Arbeit lerne ich die neue Sprache schneller als in einem Kurs“, berichtet Alona Ivasiuk von ihren Erfahrungen. Sowohl ihr als auch ihren beiden Kolleginnen gefällt die Arbeit im Hotel sehr gut.

Iryna Yerina fühlt sich wohl an ihrem neuen Arbeitsplatz.

„Ich freue mich über meine engagierten neuen Mitarbeiterinnen! Ein gutes Housekeeping führt zu guten Bewertungen und sichert unser aller Existenz. Diese Zusammenhänge sind bei allen meinen Angestellten angekommen“, stellt Thomas Schulz zufrieden fest. „Für die Zukunft kann ich mir vorstellen, dass ich meinen drei neuen Angestellten aus der Ukraine auch anspruchsvollere Aufgaben anvertrauen kann, das würde mich entlasten“, blickt er optimistisch nach vorn und ergänzt: „Wenn der betriebliche Ablauf es zulässt, können sie auch gerne Berufssprachkurse und Erweiterungsqualifizierungen besuchen. Ich möchte mit meinem Engagement für geflüchtete Menschen anderen Arbeitgebern Mut machen und vermitteln, dass niemand Berührungsängste gegenüber diesem Personenkreis haben sollte.“

 

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